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Vereinshistorie

Am Anfang war das Buch: Im Jahr 1960 wurde in Tokyo ein Buch veröffentlicht, welches der berühmte Karate-Meister Hidetaka Nishiyama (1928-2008) mit Richard C. Brown geschrieben hatte (The Art of Empty Hand Fighting). Es war informativ, reich mit hervorragenden Schwarzweiss-Fotos illustriert und sollte zu dem erfolgreichsten Karate-Buch aller Zeiten werden. Ein Exemplar fand seinen Weg nach Bochum und fiel in die Hände von Klaus Karpinski, der damals einen Judo-Club leitete.

 

 

 

 

Noch 1960 begann eine kleine Gruppe Neugieriger, den neuen Kampfstil zu trainieren. Die erste Trainingsstätte befand sich in der Volksschule Bochum-Bergen in der Eifelstrasse 15-17 (heute Hilda-Heinemann-Schule).

Bereits nach wenigen Monaten mussten die ersten Bochumer Karateka aufgrund Umbau-Arbeiten in der Volksschule umziehen in die Gymnastikhalle der Friederikaschule, in der noch heute das Karate Dojo Bochum regelmäßig trainiert. Die Anfangszeit war schwierig, da niemand da war, den man fragen konnte, wenn das Nishiyama-Buch Unklarheiten nicht beseitigen konnte. Alles wurde noch schwieriger, als Klaus Karpinski als Leiter des Karate Dojo Bochum 12 Monate zur Bundeswehr eingezogen wurde.

Und doch war man nicht allein. 1958 und 1960 hatten die ersten Karate-Lehrgänge in Deutschland stattgefunden in der Kampfsportschule Bad Homburg, in der auch der „King of Rock n Roll“ Elvis Presley seine Karate-Ausbildung bis zum 3. Kyu absolvierte, bevor er 1960 Deutschland nach seiner Militärzeit wieder verließ.

Elvis Presley als Braungurt

Der Lehrer von Elvis Presley, Jürgen Seydel (1917-2008), erlangte somit in Deutschland einige Berühmtheit. Er wurde bereits 1959 der erste Schwarzgürtel Deutschlands mit offizieller japanischer Anerkennung. 1960 wurde seine Kampfsportschule durch die Nippon Yoseikan als Dojo anerkannt. Zu ihm nahmen die Bochumer Karateka 1962/63 Kontakt auf und bekamen erstmals praktische Rückmeldungen zu ihrem Karate.

Das Karate-Dojo Bochum wurde dann formell am 12. Januar 1961 gegründet und in das Vereinsregister eingetragen. Die Gründung des Vereins verlief parallel zur Gründung des Deutschen-Karate Bundes e.V., dem ältesten deutschen Karate-Verband in dem Karate in reinem Shotokanstil betrieben wurde. Gründungsmitglieder waren Klaus Karpinski, Dieter Diergardt, Horst Möller, Leonard Tanner, Gisbert Gerbrand, Rolf Rosenkranz, Hans-Jürgen Rosenkranz, Georg Warburg und Franz Bork.

Bereits 1961 waren Bochumer Karateka bei der Gründung und bei der satzungsgebenden Versammlung des Deutschen Karatebundes (DKB) dabei. Nur drei Jahre später waren beim DKB bereits 34 Karate-Dojos registriert.

1964 übernimmt Franz Bork den Vorsitz des Karate Dojo Bochum, den er erst 2004 abgeben wird.

Nun war klar, wo es hin gehen sollte: weg vom Buch und hin zu authentischer Ausbildung. Düsseldorf entwickelte sich bereits damals schon zu der größten japanischen Exklave außerhalb Hawaiis und war nicht allzu weit von Bochum entfernt. So versuchte man 1965 zu den zwei Düsseldorfer Japanern Kontakt aufzunehmen, die dort Karate-Unterricht gaben: Nagai (geb. 1942) und Takahashi (geb. 1940). Das gelang zwar erst später, aber durch die Kontakte von Nagai schaffte man es, die Elite der Japaner aus London nach Deutschland und nach Bochum zu holen: Kase (1929-2004), Shirai (geb. 1937), Kanazawa (geb. 1931) und Enoeda (1935-2003) hielten zusammen den ersten Lehrgang der Japanischen Karate Association (JKA) in Deutschland in Bochum im Karate Dojo Bochum in der Friederikaschule ab.

Somit erlebte das Bochumer Dojo einen ungeahnten Aufschwung und nicht zuletzt aufgrund der sportlichen Erfolge einen Mitglieder-Boom. So stellte das Bochumer Dojo nahezu die komplette deutsche Nationalmannschaft mit Karate-Größen wie Horst Handel, Franz Bork, Bernd Milner und Klaus Thomas Karpinski.

1967 wird Klaus Thomas Karpinski Meister im Kumite bei der 4. Deutschen Meisterschaft in Hamburg. Ein Jahr später ist die Bochumer Fraktion in der Nationalmannschaft Europäischer Vizemeister.

Im gleichen Jahr wurde die 5. Deutsche Meisterschaft in Bochum ausgetragen. Franz Bork holte den Titel wieder nach Bochum, um ihn ein Jahr später in München zurück an Klaus Karpinski abgeben zu müssen.

1970 gewann mit Bernd Milner einer der damals jüngeren Bochumer Karateka den Deutschen Meister in Saarbrücken. Nach seiner Rückkehr aus Japan gewann dann Horst Handel 1971 sowohl die Deutsche Meisterschaft als auch die Europameisterschaft – vor allem gegen die starke englische und italienische Konkurrenz.

Im Jahre 1972 wurde erstmals eine gemeinsame Deutsche Meisterschaft mit den Karateka des Judoverbandes ausgetragen. Auch hier war trotz der neuen Konkurrenz Klaus Karpinski im Kumite (Allkategorie) und Franz Bork erfolgreich.

1973 gingen Horst Handel und Bernd Milner bei den Kata bei der Weltmeisterschaft in Tokyo in die Vollen und errangen eine Bronzemedallie im Geburtsland des Karate.

Aufgrund verschiedener Gründe wechselte 1974 das Karate Dojo Bochum vom DKB zur Sektion Karate des Deutschen Judo-Bund. Die Zersplitterung der westdeutschen Karateka in zwei große Verbände war jedoch kontraproduktiv und wurde erst 1977 mit der Aufnahme der SeKa DJB in den ein Jahr zuvor gegründeten Deutschen Karate-Verband (DKV) beendet. 1983 vereinigten sich dann auch die zwei großen Karate-Weltverbände IAKF und WUKO.

1976 errang Bernd Milner bei der Europameisterschaft den Vize-Titel im Kata-Shiai. 1978-1980 war Horst Handel erster DKV-Bundestrainer.

In den 1980er Jahren wurde viel zur Konsolidierung des Karate in der deutschen und internationalen Sportlandschaft getan. Der Vorstand des Karate Dojo Bochum war mit dabei, wie die Funktionen des Vorsitzenden Franz Bork verdeutlichen:

KDNW-Sportwart (1967-69)
KDNW-Präsident (1992-95)
DKB-Sportwart (1970-74)
DKV-Kampfrichterreferent (1977-84)
DKV-Stilrichtungsreferent (1988-95)
Technischer Direktor der EAKF (1977-83)
Mitglied der Technischen Kommission der IAKF (1979-83).

In den 1990er Jahren wurde das Karate Dojo Bochum in seiner bisherigen Struktur als Verein massiv hinterfragt: föderaler Verein bleiben mit niedrigen Beiträgen und nebenberuflichem Vorstand oder Professionalisierung zu einem hauptberuflichen geführten Dojo mit personalisierter Zuspitzung auf einen Senzai? Breiten- oder Leistungssport? Städtische Turnhallen nutzen oder eigenes Dojo-Gebäude? Dieses Spannungsfeld blieb lange offen.

Aber es kam dann, wie es kommen musste: Bernd Milner spaltete sich 1999 mit eher Leistungssport-orientierten Mitgliedern zum neu gegründeten Budokan Bochum ab, während Gründungsmitglied Franz Bork mit dem Gros der Mitglieder in der bewährten und an niedrigeren Vereinsbeiträgen orientierten Vereinsstruktur verblieb. Führende Leistungsträger saßen plötzlich zwischen den Stühlen und gründeten wiederum eigene Dojos.

2001 wagte das Karate Dojo Bochum den Sprung in die digitale Welt des Internet und firmiert seither unter der Adresse www.karate-bochum.de .

Eine zweite Zäsur innerhalb kurzer Zeit erlebte das Karate Dojo Bochum dann 2002, als sich der langjährige Vorsitzende Franz Bork in den Westerwald nach Anhausen zurückzog, um dort die Shotokan-Schmiede ins Leben zu rufen. 2004 gibt er den Vorsitz nach 40 Jahren an der Spitze des Dojos den Vorsitz an seinen Stellvertreter Matthias Golinski ab. 2007 übernahmen Andreas Welz als Vorsitzender und Jutta Sedlaczek als Schatzmeisterin die Lenkung des Vereins in unruhigen Zeiten.

Geschockt wie auch der Rest der Karate-Welt reagierte der Verein auf die Nachricht des Todes von Franz Bork am 14.11.2012.

Die letzte Abspaltung erlebte der Verein dann im Frühjahr 2013, als sich nach nur einem Jahr der neue Vorsitzende und frisch gebackene Shodan Tim Jahn ebenfalls selbstständig machte und die Karateschule Bubishi gründete.

Insgesamt kommt der Traditons-Karate-Verein Karate Dojo Bochum damit auf 5 Ausgründungen in Bochum und Umgebung. Trotzdem ist die Mitgliederzahl stabil geblieben bzw. sogar steigend. Ein neues Team um Andreas Welz (2013/2014) sowie Jutta Sedlaczek (ab 2014) im erweiterten Vorstand arbeitet für eine erfolgreiche Fortsetzung der Geschichte des Traditions-Dojos. Der Zuspruch der Mitglieder und die Stabilität des Dojos trotz aller Widrigkeiten sprechen für die Ausrichtung des Dojos: „Vielfalt im Karate“ & „Spaß im Karate“.

Osu!